Dr. Michael "Doc" Hahn




Nie mehr Cello, nur noch Blues

 

Als ich mich aus dem aktuellen berufspolitische Leben zurückziehen durfte, machte ich mir so meine Gedanken über meine Freizeitgestaltung. Nachdem meine Volksmusikkarriere schon in den 70er Jahren an chronischer Missstimmung meines Hackbretts gescheitert war,  beschäftigte ich mich zwangsläufig  mit der klassischen Musik. Meine Frau war schließlich aktive Mitspielerin in mehreren Laienorchester, Quartetten und anderen Besetzungen als Geigerin. Bratsche war von meiner Tochter Sibylle besetzt. Mein Sohn spielt Horn, die 2. Tochter Querflöte, Klavier, früher mal Cello. Also was blieb für mich? Ein Cello war noch da. Der Cellolehrer meiner Tochter war Philharmoniker, Maler, Handwerker Tennisspieler und ein Freund der Familie. Da bot es sich doch an, bei ihm Cellounterricht zu nehmen. Es ging am Anfang recht gut.  Rechts Bogen, schöner Bauchton, einfach hin und her. Dann links Greifen. Auch das allein kein Problem. Aber dann beides zusammenbringen! Null Chancen. Mehrere frustrane Versuche führten zu der legendäre Aussage meines Lehrers Hermann Dirr: „Wollen wir Freunde bleiben? Dann hör' sofort mit Cello auf! Du bist für mich der geborene Bläser!“. Die Freundschaft mit Hermann war mir wichtiger, und so wurde ich Bläser, und zwar “Staubsauger“. Mein Sohn brachte alles, was blasbar war, nach Hause. Aus den meisten Instrumenten brachte ich keinen oder nur furchtbare Töne heraus. Anders beim Saxofon. Da konnte ich nach 10 Minuten „Hänschen klein“ spielen, also blieb ich dabei. An Weihnachten spielte ich alle Weihnachtslieder, Anfang des nächsten Jahres habe ich die 1. Band gegründet. Es klang entsetzlich, aber wir hatten unendlich viel Freude mit „Sentimental Journey“, „Sail along silvery moon“ und anderen Schmalz-Nummern. Ein Vetter meiner Frau aus dem Fürmaier-Clan spielte Bass, Edith Salmen-Weber Schlagzeug. Beide hatten vorher noch nie Jazz oder Swing gespielt. Die einzig  erfahreneren waren Werner Ernst (p) und Peter Dick (as und cl). Trotzdem spielten wir, natürlich kostenlos, mehr Gigs als jemals danach.

Die Bandmitglieder wechselten natürlich laufend, die Bandnamen auch. Einmal waren wir das „Black & White Quartett“ (oder Quintett), mal „Medicin-Mans-Music (MMM)“, schon auch mal die „Schwabinger Hot Doc’s“.

Eine Zeit lang spielte ich in kleinerer Besetzung, oft nur zu zweit mit einem blinden Pianisten. Rhythmus  kam aus dem „Japaner“. Dieser Heiner war ein hochmusikalisches Phänomen. Er hörte alles und ging auf alles musikalisch ein, auch wenn er es gar nicht sehen konnte. Leider war es aber auch sehr mühsam, mit ihm unterwegs zu sein. Man musste ihn natürlich immer abholen und natürlich auch nach Hause bringen. Leider trank er auch meistens zu viel. Das verrückteste, was mir in dieser Zeit passierte, war ein Auftritt in einer Münchner Trambahn. Wir waren zu einer Geburtstags-Rundfahrt engagiert. Es war ein heißer Samstagnachmittag. Wir kamen in's Depot, und ich musste erst einmal die Verstärkeranlage in der Tram installieren. Solange setzte ich dummerweise Heiner, meinen Blinden, in die Kantine. Die dortigen Trambahner hatten nichts besseres  zu tun, als ihn abzufüllen, angeblich mit „leichtem“ Weißbier. Als wir dann ausrückten, war es noch ganz lustig, und wir haben auch noch ganz schön Musik gemacht. Allerdings fiel Heiner in jeder Kurve vom Hocker, er sah sie ja nicht kommen. Wie der Nachmittag endete, will ich gar nicht mehr erzählen. Danach war das „Black&White-Duo“ nicht mehr lange zusammen, obwohl wir durchaus spektakuläre Auftritte hatten mit Leuten wie


         Claudio Roditi                           Klaus Ignatzek            Charly Hahn

den Prager Oldtimern, der Schwabinger Gisela, Prof. Joe Viera, Ambros Seelos und einigen anderen tollen Musikern.