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Nie
mehr Cello, nur noch Blues
 Als
ich mich aus dem aktuellen berufspolitische Leben zurückziehen
durfte, machte ich mir so meine Gedanken über meine
Freizeitgestaltung. Nachdem meine Volksmusikkarriere schon in den
70er Jahren an chronischer Missstimmung meines Hackbretts
gescheitert
war, beschäftigte ich mich zwangsläufig mit
der klassischen Musik. Meine Frau war schließlich aktive
Mitspielerin in mehreren Laienorchester, Quartetten und anderen
Besetzungen als Geigerin. Bratsche war von meiner Tochter Sibylle
besetzt. Mein Sohn spielt Horn, die 2. Tochter Querflöte,
Klavier, früher mal Cello. Also was blieb für mich? Ein
Cello war noch da. Der Cellolehrer meiner Tochter war
Philharmoniker, Maler, Handwerker Tennisspieler und ein Freund der
Familie. Da bot es sich doch an, bei ihm Cellounterricht zu
nehmen. Es ging am Anfang recht gut. Rechts Bogen, schöner
Bauchton, einfach hin und her. Dann links Greifen. Auch das allein
kein Problem. Aber dann beides zusammenbringen! Null Chancen.
Mehrere frustrane Versuche führten zu der legendäre
Aussage meines Lehrers Hermann Dirr: „Wollen wir Freunde
bleiben? Dann hör' sofort mit Cello auf! Du bist für
mich der geborene Bläser!“. Die Freundschaft mit
Hermann war mir wichtiger, und so wurde ich Bläser, und zwar
“Staubsauger“. Mein Sohn brachte alles, was blasbar
war, nach Hause. Aus den meisten Instrumenten brachte ich keinen
oder nur furchtbare Töne heraus. Anders beim Saxofon. Da
konnte ich nach 10 Minuten „Hänschen klein“
spielen, also blieb ich dabei. An Weihnachten spielte ich alle
Weihnachtslieder, Anfang des nächsten Jahres habe ich die 1.
Band gegründet. Es klang entsetzlich, aber wir hatten
unendlich viel Freude mit „Sentimental Journey“, „Sail
along silvery moon“ und anderen Schmalz-Nummern. Ein Vetter
meiner Frau aus dem Fürmaier-Clan spielte Bass, Edith
Salmen-Weber Schlagzeug. Beide hatten vorher noch nie Jazz oder
Swing gespielt. Die einzig erfahreneren waren Werner Ernst
(p) und Peter Dick (as und cl). Trotzdem spielten wir, natürlich
kostenlos, mehr Gigs als jemals danach.
Die
Bandmitglieder wechselten natürlich laufend, die Bandnamen
auch. Einmal waren wir das „Black & White Quartett“
(oder Quintett), mal „Medicin-Mans-Music (MMM)“, schon
auch mal die „Schwabinger Hot Doc’s“.
 Eine
Zeit lang spielte ich in kleinerer Besetzung, oft nur zu zweit mit
einem blinden Pianisten. Rhythmus kam aus dem „Japaner“.
Dieser Heiner war ein hochmusikalisches Phänomen. Er hörte
alles und ging auf alles musikalisch ein, auch wenn er es gar
nicht sehen konnte. Leider war es aber auch sehr mühsam, mit
ihm unterwegs zu sein. Man musste ihn natürlich immer abholen
und natürlich auch nach Hause bringen. Leider trank er auch
meistens zu viel. Das verrückteste, was mir in dieser Zeit
passierte, war ein Auftritt in einer Münchner Trambahn. Wir
waren zu einer Geburtstags-Rundfahrt engagiert. Es war ein heißer
Samstagnachmittag. Wir kamen in's Depot, und ich musste erst
einmal die Verstärkeranlage in der Tram installieren. Solange
setzte ich dummerweise Heiner, meinen Blinden, in die Kantine. Die
dortigen Trambahner hatten nichts besseres zu tun, als
ihn abzufüllen, angeblich mit „leichtem“
Weißbier. Als wir dann ausrückten, war es noch ganz
lustig, und wir haben auch noch ganz schön Musik gemacht.
Allerdings fiel Heiner in jeder Kurve vom Hocker, er sah sie ja
nicht kommen. Wie der Nachmittag endete, will ich gar nicht mehr
erzählen. Danach war das „Black&White-Duo“
nicht mehr lange zusammen, obwohl wir durchaus spektakuläre
Auftritte hatten mit Leuten wie
  
Claudio Roditi
Klaus Ignatzek
Charly Hahn
den Prager Oldtimern,
der Schwabinger Gisela, Prof. Joe Viera, Ambros Seelos und
einigen anderen tollen Musikern.
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